Zum Hauptinhalt springen
Arbeitszeiten nach niederländischem Recht

Das Arbeitszeitgesetz (Arbeidstijdenwet)

Die Arbeitszeiten in den Niederlanden werden durch das Arbeitszeitgesetz (Arbeidstijdenwet, ATW) und die Arbeitszeitverordnung (Arbeidstijdenbesluit) geregelt. Diese Vorschriften legen die maximale Arbeitszeit, vorgeschriebene Ruhezeiten sowie Regeln für Nacht- und Schichtarbeit fest. Das ATW gilt für praktisch alle Arbeitnehmer, die in den Niederlanden tätig sind, unabhängig von der Staatsangehörigkeit des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers.

Die allgemeine maximale Arbeitszeit beträgt 12 Stunden pro Schicht und 60 Stunden pro Woche. Über einen Bezugszeitraum von 16 Wochen darf der Durchschnitt 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Dies steht im Einklang mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie (2003/88/EG). Für junge Arbeitnehmer unter 18 Jahren, schwangere Frauen, Arbeitnehmer, die sicherheitskritische Aufgaben ausführen, sowie Arbeitnehmer im Transportwesen gelten spezifische und strengere Vorschriften. Das ATW legt keine „normale“ Arbeitswoche fest: In den Niederlanden variiert die vereinbarte normale Arbeitswoche je nach Branche zwischen 36 und 40 Stunden, weshalb sich aus dem ATW allein kein allgemein gültiger stündlicher Mindestlohn ableiten lässt. Der Arbeitgeber darf Überstunden nur verlangen, wenn sich diese aus dem Arbeitsvertrag, einem Tarifvertrag oder aus Gewohnheit und Praxis ergeben, es besteht keine allgemeine gesetzliche Verpflichtung für Arbeitnehmer, Überstunden zu leisten.


Erfassung und Durchsetzung nach niederländischem Recht

Arbeitgeber müssen genaue Aufzeichnungen über die von jedem Arbeitnehmer geleisteten Arbeitsstunden führen. Seit dem Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union in der Rechtssache CCOO gegen Deutsche Bank (C-55/18) sind niederländische Arbeitgeber verpflichtet, ein objektives und zuverlässiges System zur Erfassung der täglichen Arbeitszeit zu betreiben. Die niederländische Arbeitsaufsichtsbehörde (Nederlandse Arbeidsinspectie) setzt die Einhaltung des ATW durch und kann gegen Arbeitgeber, die gegen das Gesetz verstoßen, Bußgelder verhängen.

Das ATW bietet durch ein System von Ausnahmeregelungen im Rahmen von Tarifverträgen (CAO) eine gewisse Flexibilität. Tarifverträge können bestimmte Höchststundenzahlen und Ruhezeitnormen innerhalb der vom ATW festgelegten Grenzen verlängern oder verkürzen. Arbeitgeber, die von den Standardvorschriften abweichen möchten, müssen sicherstellen, dass ein Tarifvertrag mit der entsprechenden Ausnahmeregelung in Kraft ist und für ihre Belegschaft gilt. Das derzeitige ATW stammt aus dem Jahr 1998 und wurde 2007 nach einem Konsens des Sozial- und Wirtschaftsrats (SER) erheblich geändert, der darauf abzielte, Überregulierung abzubauen und gleichzeitig die Kernstandards der ILO und der EU beizubehalten; die niederländische Gesetzgebung zielt nicht mehr nur auf Sicherheit und Gesundheit ab, sondern auch auf ein umfassenderes Wohlbefinden und menschenwürdige Arbeitsbedingungen.


Vereinbarte Arbeitszeiten und der Arbeitsvertrag

Das ATW legt Höchstgrenzen fest, schreibt jedoch nicht vor, wie viele Stunden ein Arbeitnehmer arbeiten muss. Die vereinbarten Arbeitszeiten werden im Arbeitsvertrag festgelegt. Nach niederländischem Recht sind Arbeitgeber verpflichtet, die vereinbarten Arbeitszeiten klar anzugeben. Für Arbeitnehmer mit Null-Stunden-Verträgen oder Bereitschaftsverträgen gelten besondere Vorschriften gemäß dem Gesetz über flexible Arbeitszeiten und dem Gesetz über einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Wet arbeidsmarkt in balans, WAB).


Häufig gestellte Fragen

Fragen zum niederländischen Recht? Schreiben Sie uns.