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Schwerwiegendes Verschulden des Arbeitgebers in den Niederlanden

Ernsthaft schuldhaftes Verhalten des Arbeitgebers nach niederländischem Recht

Ist die Kündigung eines Arbeitnehmers auf schwerwiegendes schuldhaftes Handeln oder Unterlassen (ernstig verwijtbaar handelen of nalaten) des Arbeitgebers zurückzuführen, hat der Arbeitnehmer zusätzlich zur gesetzlichen Abfindung Anspruch auf eine angemessene Entschädigung (billijke vergoeding). Dieses Recht ist in Artikel 7:682 und Artikel 7:683 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BW) verankert. Das Konzept spiegelt die Regelung zur schweren Schuld auf Arbeitnehmerseite wider, gilt jedoch für das Verhalten des Arbeitgebers.

Gerichte haben schwerwiegendes Verschulden auf Seiten der Arbeitgeber in folgenden Situationen festgestellt: Kündigung eines geschützten Arbeitnehmers (z. B. einer schwangeren Arbeitnehmerin oder eines Vertreters der Gewerkschaft) ohne triftigen Grund, Kündigung aus unzulässigem Grund als Vergeltung für einen Hinweis auf Missstände, systematische Belästigung oder Mobbing durch die Geschäftsleitung, das zu einem erzwungenen Ausscheiden führt, ein Muster der vorsätzlichen Nichterfüllung von Wiedereingliederungsverpflichtungen während der Krankschreibung sowie die strukturelle Verweigerung von Gehalten oder anderen wesentlichen Vertragsbedingungen.


Der „New Hairstyle“-Standard bei der Kündigung in den Niederlanden

Der niederländische Oberste Gerichtshof hat im „New Hairstyle“-Urteil (ECLI:NL:HR:2017:1187) Leitlinien für die Berechnung der billijke vergoeding entwickelt. Das Gericht entschied, dass die angemessene Entschädigung nicht begrenzt ist und die Folgen des schwerwiegenden Verschuldens des Arbeitgebers tatsächlich ausgleichen muss. Der Kantonrechter muss berücksichtigen: Wie die finanzielle Situation des Arbeitnehmers ohne das schwerwiegende Verschulden gewesen wäre, welche zukünftigen Beschäftigungsaussichten bestehen und ob der Arbeitnehmer zu seinem eigenen Ausscheiden beigetragen hat. Dies kann in Fällen von eklatantem Fehlverhalten des Arbeitgebers zu erheblichen Entschädigungszahlungen führen.


Kündigung aufgrund des Verhaltens des Arbeitgebers nach niederländischem Recht

Ein Arbeitnehmer, der als Reaktion auf schwerwiegendes Verschulden des Arbeitgebers kündigt, gilt als konstruktiv entlassen (ernstig verwijtbare gedragingen werkgever leiden tot opzegging). Nach Artikel 7:683 Absatz 3 kann das Gericht einem solchen Arbeitnehmer eine billijke vergoeding zusprechen, auch wenn er gekündigt hat und nicht entlassen wurde. Der Arbeitnehmer muss den Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten des Arbeitgebers und der Kündigung nachweisen. Arbeitnehmer in dieser Situation sollten dringend den Rat eines Arbeitsrechtsanwalts in den Niederlanden einholen.

Stellt das Berufungsgericht fest, dass dem Antrag des Arbeitgebers auf Auflösung zu Unrecht stattgegeben wurde, kann es, gemäß Artikel 7:683 Absatz 3 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BW), den Arbeitgeber anweisen, den Arbeitsvertrag wiederherzustellen, oder, falls eine Wiederherstellung nicht möglich ist, anstelle der Wiederherstellung eine angemessene Entschädigung zusprechen. Diese vom Gericht im Berufungsverfahren zugesprochene billijke vergoeding unterscheidet sich von dem Schadensersatzanspruch, den ein Arbeitnehmer gemäß Artikel 7:677 Abs. 2 und 3 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BW) geltend machen kann, wenn der Arbeitgeber gegen die Kündigungsfristen verstößt: Die billijke vergoeding dient ausdrücklich als Sanktion für schwerwiegendes schuldhaftes Verhalten des Arbeitgebers und wird zukunftsorientiert nach den „New Hairstyle“-Kriterien bemessen, während der Anspruch nach Artikel 7:677 eine Entschädigung darstellt, die auf den Lohn für die versäumte Kündigungsfrist beschränkt ist.


Häufig gestellte Fragen

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