Berechnen Sie gesetzliche Zinsen (wettelijke rente) und gesetzliche Handelszinsen (handelsrente) auf überfällige Forderungen nach niederländischem Recht mit unserem kostenlosen Online-Rechner. Das Tool wendet die von der niederländischen Zentralbank (De Nederlandsche Bank) festgesetzten Zinssätze an, berechnet automatisch den Zinseszins gemäß Artikel 6:119 Absatz 2 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuchs (Burgerlijk Wetboek, BW) und verrechnet Teilzahlungen nach den Anrechnungsregeln des Artikels 6:44 nl. BW.
Das Tool berechnet auch außergerichtliche Inkassokosten (buitengerechtelijke incassokosten) gemäß Artikel 6:96 nl. BW, einschließlich der Zinsen auf diese Kosten. Es unterstützt mehrere Forderungen, auch für wiederkehrende Verbindlichkeiten wie unbezahlte Mieten, und kann einen vollständigen Zahlungsplan mit frei wählbaren Raten und jährlicher Zinskapitalisierung erstellen.
Was sind gesetzliche Zinsen nach niederländischem Recht?
Gesetzliche Zinsen (wettelijke rente) sind die Entschädigung, die ein Schuldner kraft Gesetzes schuldet, wenn eine Zahlung überfällig ist. Sie sind in Artikel 6:119 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuchs (Burgerlijk Wetboek, BW) geregelt.
Der Zinssatz wird halbjährlich (zum 1. Januar und 1. Juli) per Regierungserlass angepasst. Er ist an den Refinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) gekoppelt, zuzüglich eines festen Aufschlags von 3 Prozentpunkten.
Wann beginnen die gesetzlichen Zinsen zu laufen?
Gesetzliche Zinsen laufen ab dem Zeitpunkt, an dem sich der Schuldner in Schuldnerverzug (verzuim) befindet. Wie der Verzug eintritt, hängt von der jeweiligen Situation ab.
Das häufigste Szenario ist eine unbezahlte Rechnung. Die meisten Rechnungen enthalten eine Zahlungsfrist, beispielsweise „Zahlung innerhalb von 30 Tagen“. Diese Zahlungsfrist stellt eine vertragliche Frist dar. Zahlt der Schuldner nicht innerhalb dieser Frist, tritt der Verzug automatisch am Tag nach Ablauf der Frist ein. Es bedarf keiner Mahnung, keiner förmlichen Inverzugsetzung und keiner weiteren Handlung des Gläubigers. Die gesetzlichen Zinsen laufen ab diesem Zeitpunkt.
In dem seltenen Fall, dass eine Rechnung oder ein Vertrag keine Zahlungsfrist enthält, muss der Gläubiger zunächst eine Inverzugsetzung (ingebrekestelling) übermitteln – eine schriftliche Aufforderung, die dem Schuldner eine angemessene Frist zur Zahlung einräumt. Der Verzug tritt erst ein, wenn diese Frist abgelaufen ist, ohne dass eine Zahlung erfolgt ist. In der Praxis kommt diese Situation selten vor, da nahezu alle gewerblichen Rechnungen eine Zahlungsfrist enthalten.
Der Verzug tritt ferner in bestimmten anderen gesetzlich definierten Situationen automatisch ein, beispielsweise wenn der Schuldner ankündigt, nicht zu leisten, oder wenn die Leistung dauerhaft unmöglich geworden ist.
Gesetzliche Zinsen und Handelszinsen: Was ist der Unterschied?
Das niederländische Recht kennt zwei Arten gesetzlicher Zinsen:
- Gewöhnliche gesetzliche Zinsen nach Artikel 6:119 nl. BW gelten grundsätzlich für Geldforderungen im Allgemeinen, einschließlich Ansprüchen auf Schadensersatz, Rückforderung rechtsgrundloser Zahlungen, gerichtlich zugesprochenen Kosten und Rückabwicklungsansprüchen nach Vertragsbeendigung wegen Nichterfüllung. Der aktuelle gesetzliche Zinssatz beträgt 4 % pro Jahr;
- Gesetzliche Handelszinsen (Art. 6:119a nl. BW) gelten speziell für Geschäfte zwischen Unternehmen. Der Zinssatz ist deutlich höher: der EZB-Refinanzierungssatz zuzüglich 8 Prozentpunkten. Dieser höhere Zinssatz soll gewerbliche Parteien von verspäteter Zahlung abhalten.
Die gesetzlichen Handelszinsen wurden zur Umsetzung der EU-Zahlungsverzugsrichtlinie (ursprünglich Richtlinie 2000/35/EG, später ersetzt durch Richtlinie 2011/7/EU) eingeführt. Bei einem Handelsgeschäft gilt der höhere Zinssatz standardmäßig, wenn sich der Schuldner in Verzug befindet, es sei denn, die Parteien haben in ihrem Vertrag einen anderen Zinssatz vereinbart.
Gut zu wissen
Nach niederländischem Recht werden gesetzliche Zinsen in der Regel als Zinseszins berechnet, da die aufgelaufenen Zinsen nach jedem vollen Jahr kapitalisiert werden.
Die Parteien können einen abweichenden vertraglichen Zinssatz vereinbaren. In diesem Fall gilt der gesetzliche Zinssatz nur, soweit keine wirksame abweichende Vereinbarung getroffen wurde.
Aktuelle Zinssätze
| Zeitraum | Gesetzliche Zinsen (6:119 nl. BW) | Handelszinsen (6:119a nl. BW) |
|---|---|---|
| 1. Januar 2026 – heute | 4,00 % | 10,15 % |
| 1. Juli 2025 – 31. Dezember 2025 | 6,00 % | 10,15 % |
| 1. Januar 2025 – 30. Juni 2025 | 6,00 % | 11,15 % |
| 1. Juli 2024 – 31. Dezember 2024 | 7,00 % | 12,25 % |
| 1. Januar 2024 – 30. Juni 2024 | 7,00 % | 12,50 % |
| 1. Juli 2023 – 31. Dezember 2023 | 4,00 % | 12,00 % |
| 1. Januar 2023 – 30. Juni 2023 | 4,00 % | 10,50 % |
Quelle: Niederländische Regierung / De Nederlandsche Bank. Alle historischen Zinssätze seit 1992 sind im Rechner enthalten.
Außergerichtliche Inkassokosten nach niederländischem Recht
Die Rechtsgrundlage für außergerichtliche Inkassokosten (buitengerechtelijke incassokosten) findet sich in Artikel 6:96 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuchs (nl. BW). Dieser Artikel bestimmt, dass sowohl die Entscheidung, Inkassokosten geltend zu machen, als auch deren Höhe angemessen sein müssen. Um Rechtssicherheit zu schaffen und Verbraucher zu schützen, hat der Gesetzgeber am 1. Juli 2012 eine gesetzliche Staffel eingeführt: den Besluit vergoeding voor buitengerechtelijke incassokosten (Erlass über die Vergütung außergerichtlicher Inkassokosten).
Gesetzliche Staffel für Inkassokosten
Der Erlass enthält eine Staffel, anhand derer die maximalen Inkassokosten berechnet werden können:
| Hauptforderung | Prozentsatz |
|---|---|
| Erste 2.500 € | 15 % (mindestens 40 €) |
| Nächste 2.500 € (2.500 – 5.000 €) | 10 % |
| Nächste 5.000 € (5.000 – 10.000 €) | 5 % |
| Nächste 190.000 € (10.000 – 200.000 €) | 1 % |
| Rest über 200.000 € | 0,5 % |
Der Höchstbetrag der außergerichtlichen Inkassokosten beträgt 6.775 €.
Zwingende Vorschriften für Verbraucher
Die gesetzliche Staffel ist gegenüber Verbrauchern zwingendes Recht (dwingend recht). Unternehmen dürfen mit Verbrauchern keine ungünstigeren Bedingungen vereinbaren. Tun sie es dennoch, kann der Verbraucher diese Bedingungen anfechten. Im Verhältnis zwischen Unternehmen (B2B) ist der Erlass nicht zwingend: Die Parteien können abweichende Beträge vereinbaren; fehlt eine solche Vereinbarung, gilt die gesetzliche Staffel standardmäßig.
Die 14-Tage-Frist
Bevor ein Gläubiger außergerichtliche Inkassokosten von einem Verbraucher verlangen kann, muss der Verbraucher nach Eintritt des Verzugs zunächst eine schriftliche Mahnung (14-dagenbrief) erhalten. Diese Mahnung muss dem Verbraucher eine Zahlungsfrist von mindestens 14 Tagen (nach neuerer Rechtsprechung 16 Tage) einräumen und die Folgen der Nichtzahlung benennen, einschließlich der genauen Höhe der fällig werdenden Inkassokosten. Nach Ablauf dieser Frist ohne Zahlung sind die Inkassokosten geschuldet, unabhängig davon, ob die Forderung tatsächlich an ein Inkassobüro oder einen Rechtsanwalt übergeben wurde.
Zinsen auf außergerichtliche Inkassokosten
Sobald sich der Schuldner mit der Zahlung der außergerichtlichen Inkassokosten in Verzug befindet, laufen auch auf diese Kosten gesetzliche Zinsen. Der anwendbare Zinssatz ist stets der gewöhnliche gesetzliche Zinssatz nach Artikel 6:119 nl. BW, selbst wenn auf die zugrunde liegende Forderung der höhere Handelszinssatz anwendbar ist. Dies liegt daran, dass die Inkassokosten einen Schadensersatzanspruch darstellen und kein Handelsgeschäft.
In der Praxis werden die Inkassokosten fällig, wenn die Zahlungsfrist im 14-Tage-Mahnschreiben abläuft (bei Verbraucherforderungen) oder wenn sich der Schuldner in Verzug befindet (bei B2B-Forderungen). Die gesetzlichen Zinsen auf die Inkassokosten laufen von diesem Datum bis zum Tag der tatsächlichen Zahlung. Dieser Rechner ermöglicht es Ihnen, das Datum der Fälligkeit der Inkassokosten anzugeben, und berechnet automatisch die darauf geschuldeten Zinsen.